Vier auf einen Streich: Tibet, Grönland und die Alaska-Hawaii-Allianz

In einem internationalen Bündnis für Selbstbestimmung taten sich Separatisten in Tibet, Grönland, Alaska und Hawaii für ihre Unabhängigkeit zusammen – und die Mehrheit folgte ihnen.

Die Welt ist um vier Staaten reicher. In Abstimmung mit den Vereinten Nationen (UN) und den Regierungen der Volksrepublik China, Indiens, Dänemarks und der USA haben sich die Menschen in Tibet, Grönland, Alaska und Hawaii bei einem gemeinsam abgehaltenen Referendum für die Unabhängigkeit ihrer Länder entschieden.

Das Dach der Welt

Im autonomen Tibet, einer unabhängigen Verwaltungseinheit Chinas auf dem historischen Gebiet Tibet sowie in von Indien kontrollierten Gebieten stimmten rund zwei Drittel, Tibeter im Exil waren genauso stimmberechtigt wie in Tibet ansässige Chinesen, für die Loslösung von Peking und Neu-Delhi. Der Status Tibets war völkerrechtlich umstritten. Auch zwischen Indien und dem Reich der Mitte herrschte Zwiespalt über die tibetischen Gebiete. Einen von Dalai Lama Tendzin Gyatsho im Jahr 1987 gemachten Fünf-Punkte-Vorschlag – Umwandlung von Tibet in eine gewaltlose Zone, ein Ende der chinesischen Umsiedlungspolitik, die Achtung der Menschenrechte und demokratischer Freiheiten der Tibeter, die Wiederherstellung und der Schutz der Umwelt Tibets sowie Verhandlungen über den Status Tibets und die Beziehungen zwischen Tibetern und Chinesen – zur Annäherung an die Volksrepublik, wies die Regierung Chinas damals noch zurück.

Im Vorfeld des Referendums erklärte sich Peking bereit, den Willen der tibetischen Bevölkerung umzusetzen, wenn auch die anderen Regierungen die Abstimmungen anerkennen würden. Neu-Delhi, Washington und Kopenhagen stimmten dem zu.

Die größte Insel

In Grönland, der größten Insel der Erde und dem Land mit der geringsten Bevölkerungsdichte, gab es mit knapp 80 Prozent die größte Zustimmung aller Wahlberechtigten für einen eigenen Staat. Bei einer Volksabstimmung im November 2008 stimmten bereits 75,5 Prozent einer erweiterten Selbstverwaltung zu. Aus grönländischer Sicht werden nur die 88 Prozent der Bevölkerung auch Grönländer genannt, die überwiegend von den Ureinwohnern abstammen, also meist auch die grönländische Sprache sprechen. 12 Prozent der Grönländer sind europäischer Abstammung.

Die Regierung in Kopenhagen erklärte sich unmittelbar nach Bekanntgabe der Abstimmung dazu bereit, der neuen Regierung in Nuuk bei allen weiteren Schritten zur Staatsgründung und darüber hinaus behilflich zu sein. Grönland war zwar innenpolitisch zuletzt unabhängig, hing aber etwa in allen außen- und verteidigungspolitischen Angelegenheiten von Dänemark ab.

Das Land, in dessen Richtung das Meer strömt und eine Inselkette

Auch in Alaska und Hawaii konnten die Unabhängigkeitsbewegungen einen Erfolg feiern. Bereits im Jahr 2015 wollten die indigenen Völker Alaskas und Hawaiis im Rahmen eines Dekolonisationsverfahrens der UN über ihre Selbstbestimmung abstimmen können. Alaska, aber auch Hawaii, soll im Jahr 1959 durch manipulierte Volksabstimmungen als US-Bundesstaaten aufgenommen worden sein. Damals hätten vor allem US-Soldaten und US-Bürger an den Abstimmungen teilgenommen. »Den indigenen Völkern wurde damals das Recht auf Selbstbestimmung verweigert, das wurde nun nachgeholt«, so die Alaska-Hawaii-Allianz über das Ergebnis.

Gemäß Artikel 74 der UN-Charta sowie entsprechender Resolutionen müssen Völker in nicht-selbst-regierten Territorien die Möglichkeit haben, ihre Selbstbestimmung zu verlangen.