Sprechverbot wird auf Privathaushalte ausgedehnt

Nachdem die Schweigepflicht in Teilen der EU im öffentlichen Raum bereits zur neuen Normalität gehört, wird das Sprechverbot in Deutschland nun auch auf Privathaushalte ausgedehnt. In einer Probephase vorerst für sechs Monate und in der Zeit von 21 Uhr bis 6 Uhr. Begründet wird der sogenannte private Maulkorbbeschluss von Berlin mit dem Kampf gegen Corona und neuen Pandemien, »die in Zukunft so regelmäßig auftreten werden wie das Amen in der Kirche«. Darauf müsse man sich vorbereiten und verschiedene Optionen testen, wobei in Zukunft keine Maßnahme mehr ein Tabu sein dürfe. Eine europaweite Vorreiterrolle in Sachen öffentlicher Redeverbote zum Gesundheitsschutz nahm die Lokalregierung der spanischen Insel Mallorca während der Corona-Pandemie ein, indem das Sprechen in Bussen und Bahnen zeitweise untersagt und mit hohen Geldstrafen oder Ersatzhaft geahndet wurde.

Von der neuen Richtlinie werden lediglich Personen ausgenommen, »die sich rund um die Uhr für das Gemeinwohl und die Wirtschaft einsetzen«, wie es in einer Regierungserklärung dazu heißt. Konkret wären das etwa Politiker, Beamte sowie Führungs- oder Rettungskräfte. Ansonsten gilt der Maulkorberlass »für alle gleichermaßen«. Weitere Ausnahmen gibt es dagegen für Bürger, die Verstöße der Nachbarn gegen das Sprechverbot über die neue SAP-App »Pssst« melden würden.

Auf Sprechen, Singen oder Lachen könne und müsse man zum Schutz der allgemeinen Gesundheitsvorsorge rigoros verzichten. Kommunikation ist in der verbotenen Zeit auf schriftliche Mitteilungen zu reduzieren. Man hätte aber auch darauf zu achten, dass Stifte, Tablets oder andere Geräte mit Schreibfunktion nach und vor dem Gebrauch ausreichend desinfiziert werden, wie es in den neuen Hygiene-Richtlinien für zu Hause angemahnt wird. Mit der neuen Regelung soll die Verbreitung von Aerosolen in Privatwohnungen, einem Hochrisikogebiet, unterbunden werden. Schon das Ausatmen würde für andere Menschen eine unkalkulierbare Gefahr darstellen.

Nachdem das allgemeine Sprechverbot im öffentlichen Raum zur Eindämmung von Coronaviren bisher noch nicht den gewünschten Erfolg von ZeroCovid brachte, geht die Bundesregierung also einen Schritt weiter. In Berlin rechnet man damit, dass andere Länder dem Beispiel schon bald folgen. »Wir müssen die Pandemie mit allen Mitteln bekämpfen, dafür haben wir alle große Opfer zu bringen«, so der deutsche Gesundheitsminister.