Sprechverbot wird auf Privathaushalte ausgedehnt

Nachdem die Schweigepflicht im gesamten öffentlichen Raum Europas zur neuen Normalität gehört, soll das rigorose Sprechverbot in Deutschland jetzt auch für Privathaushalte in der Zeit zwischen 21 Uhr und 6 Uhr gelten. Begründet wird der sogenannte Maulkorbbeschluss mit dem Kampf gegen Corona. Lediglich Politiker, Philanthropen, Konzern- und Medienführer sowie hohe Beamte und Berater der Regierung hätten sich nicht an die Regelung zu halten, da diese »rund um die Uhr für Volk und Wirtschaft arbeiten«, so Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Bekanntgabe der neuen Richtlinie. Weitere Ausnahmen könne es außerdem für bestimmte Personen des öffentlichen Lebens geben, wenn diese in »gehobener Stellung« tätig wären. Rettungskräfte, das Militär oder die Polizei werden von der Vorgabe ebenfalls ausgenommen, sollten sie in Privatwohnungen vordringen, um Bürger wegen diverser Vergehen zu verhaften. Ansonsten gilt der Maulkorberlass aber auch für Beamte der mittleren und unteren Ränge. Merkel kündigte des Weiteren Prämien für Bürger an, die besonders viele Verstöße gegen das private Sprechverbot über die eigens von SAP und Telekom entwickelte App »Psst« melden.

Das gegenseitige Sprechen, gemeinsames Singen oder Lachen wäre zum Schutz der allgemeinen Gesundheit verzichtbar. Verbale Kommunikation sei in der verbotenen Zeit auf schriftliche Mitteilungen einzuschränken. Allerdings ist darauf zu achten, dass Stifte, Tablets oder andere Geräte mit Schreibfunktion nach und vor dem Gebrauch ausreichend desinfiziert werden, wie es in den Hygiene-Richtlinien für zu Hause heißt. Die Regierung in Berlin möchte mit der privaten Schweigepflicht vermeiden, dass sich Aerosole unnötig in Privatwohnungen ausbreiten. Schon das Atmen würde für Mitmenschen ein nicht kalkulierbares Gesundheitsrisiko darstellen. Nachdem ein allgemeines Sprechverbot im öffentlichen Raum zur Eindämmung von Coronaviren bisher kaum etwas gebracht hat, möchte die Bundesregierung nun sichergehen. Berlin rechnet auch damit, dass weitere Länder dem Beispiel Deutschlands folgen werden. »Wir müssen diesen Kampf gegen den unsichtbaren Feind mit allen Mitteln führen und gewinnen, dafür haben wir, besonders sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, sehr große Opfer zu bringen. Ich weiß das zu würdigen«, wie Merkel versichert.

Coronaviren können in sehr seltenen Fällen zum Tod führen. Trotzdem gelten sie für alle Menschen als extrem gefährlich, wie Experten der Regierung immer wieder betonen. Der Maulkorbbeschluss soll solange gelten, wie Coronaviren nachweisbar sind und ist bei jeder Pandemie erneut abrufbar. Der Einwand, dass das Volk auf Dauer bald gar nichts mehr zu sagen hätte, wurde parteiübergreifend und von führenden Medien umgehend als »Verschwörungstheorie« zurückwiesen.