Nie mehr Tränen wegen Klingen oder Scherben

Die Vereinten Nationen verbieten die Misshandlung junger Mädchen durch Beschneidung. Ein Verbotsentwurf wurde ohne Gegenstimmen angenommen.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und weitere Organisationen hatten jüngst einen Antrag für ein weltweites Verbot weiblicher Genitalverstümmelung bei den Vereinten Nationen (UN) eingebracht. Auf der letzten Sitzung der UN-Generalversammlung stimmten alle Mitglieder dem Vorschlag nun zu.

In der verabschiedeten Resolution wurde die Definition für die Genitalverstümmelung von Mädchen bewusst sehr weit gefasst, um Lücken zu schließen, die eine Fortführung der Praxis begründen könnten. Das Ritual ist nach dem UN-Beschluss in allen Mitgliedsstaaten noch in diesem Jahr unter Strafe zu stellen.

Verstoß gegen die Kinderrechte

Die Beschneidung von Mädchen fand bisher hauptsächlich in westlichen und nordöstlichen Ländern Afrikas, auf der arabischen Halbinsel, im südostasiatischen Raum sowie vereinzelt auch in Australien und Südamerika statt und wurde, ohne medizinische Legitimation, als kultureller oder religiöser Brauch begründet. Der Eingriff stand allerdings im Widerspruch zur Kinderrechtskonvention und galt, im Gegensatz zur männlichen Beschneidung, als Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit, da es sich um einen weitreichenden Eingriff handelt.

Die UN-Kinderrechtskonvention forderte seit 1990, »alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen [zu treffen], um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung […] zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut« sowie »alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen [zu treffen], um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.«

Pure Folter

Die Genitalverstümmelung ist mit starken Schmerzen und Blutungen verbunden, kann zu körperlichen und geistigen Schäden oder zum Tod führen und wird zu Beginn oder während der Pubertät vorgenommen. Bei sogenannten pharaonischen Beschneidungen kann es zu weiteren gesundheitlichen Risiken, Schmerzen und Komplikationen kommen, da die Geschlechtsöffnung teilweise zugenäht und für den Geschlechtsverkehr oder zur Entbindung wieder aufgeschnitten werden muss. Unter anderem werden die Beine der Mädchen von der Hüfte bis zu den Knöcheln für bis zu 40 Tage zusammengebunden, um eine Heilung der Wunde zu ermöglichen.

Meist finden die Eingriffe unter unhygienischen Bedingungen und ohne Narkose statt. Wegen der starken Schmerzen müssen mehrere Erwachsene die Mädchen halten. Als Werkzeuge halten Messer, Scheren, Rasierklingen oder Glasscherben her. Nicht selten werden mehrere Mädchen mit demselben Gerät beschnitten.

Durch die Beschneidung sollen die Mädchen lernen, Schmerzen zu ertragen, ihren Körper zu kontrollieren, als Erwachsene anerkannt und durch Beruhigung sexueller Bedürfnisse Untreue verhindert werden. Die Genitalverstümmelung galt bisher, besonders bei wirtschaftlicher Abhängigkeit oder Not, als Voraussetzung für eine Heirat.

Aufklärung hilft

Die Bedeutung des Vorgangs hatte, bedingt durch zahlreiche Aufklärungskampagnen und zunehmendem Bildungsgrad, zuletzt stark nachgelassen. Dennoch wird das Ritual auch in Ländern, in denen die weibliche Genitalverstümmelung bereits verboten ist, durch Behörden noch geduldet.

Der UN-Beschluss sieht nun auch eine drastische Verschärfung der Strafen für Täter und Länder vor, die der Folter nicht rigoros begegnen. Auch das unterlassene Vorgehen soll künftig mit harten Strafen geahndet werden. Volljährigen Frauen wird es in Zukunft allerdings frei stehen, auf eigenen Wunsch eine operative Beschneidung vornehmen zu lassen.

Mit dem UN-Verbot wurde das grausame Ritual erst spät, Aufzeichnungen über die Beschneidung von Mädchen reichen bis in die Epoche des antiken Ägyptens zurück, in das Gruselkabinett der Foltermethoden verbannt.

1 Kommentar

  • Ich wünsche für alle Mädchen der Welt, dass die Beschneidungen nie wieder stattfinden…

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