Nie mehr Tränen wegen Klingen oder Scherben

Die Vereinten Nationen beschließen ein Verbot für die Misshandlung junger Mädchen durch Beschneidung. Gegenstimmen gab es keine, Feministinnen und Feministen jubeln.

Ein vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, und der Weltgesundheitsorganisation, WHO, gestellter Antrag für ein weltweites Verbot weiblicher Genitalverstümmelung wurde auf der letzten Vollversammlung der Vereinten Nationen, UN, in New York angenommen. Alle UN-Mitgliedsstaaten stimmten der Resolution zu. Die Definition der Genitalverstümmelung von Mädchen wurde dabei bewusst sehr weit gefasst, um Lücken zu schließen, die eine Fortführung der grausamen Praxis begründen könnten. Das Ritual ist noch in diesem Jahr in allen Ländern ausnahmslos unter Strafe zu stellen.

Die deutsche Feministin Alice Schwarzer teilte daraufhin über den Kurznachrichtendienst Vöglein mit, dass dies der »sensationellste Höhepunkt« in ihrer Karriere als Feministin sei. »Und das schreibe ich so, wie ich es meine«, vögelte Schwarzer durch die Gegend. Ihre Meldung ging im Netz viral und verbreitete sich auch rasch oral in der Szene.

Verstoß gegen die Kinderrechte

Die Beschneidung von Mädchen fand bisher hauptsächlich in westlichen und nordöstlichen Ländern Afrikas, auf der arabischen Halbinsel, im südostasiatischen Raum sowie vereinzelt auch in Australien und Südamerika statt und wurde, ohne medizinische Legitimation, als kultureller oder religiöser Brauch begründet. Die Praxis stand allerdings im Widerspruch zur Kinderrechtskonvention und galt, im Gegensatz zur männlichen Beschneidung, als Verletzung des Menschenrechts auf körperliche Unversehrtheit, da es sich um einen weitreichenden Eingriff handelt.

Die UN-Kinderrechtskonvention forderte schon seit dem Jahr 1990, »alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen [zu treffen], um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung […] zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut« sowie »alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen [zu treffen], um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.«

Pure Folter

Die Genitalverstümmelung ist mit starken Schmerzen und Blutungen verbunden, kann zu körperlichen und geistigen Schäden oder zum Tod führen und wird zu Beginn oder während der Pubertät vorgenommen. Bei sogenannten pharaonischen Beschneidungen kann es zu weiteren gesundheitlichen Risiken, Schmerzen und Komplikationen kommen, da die Geschlechtsöffnung teilweise zugenäht und für den Geschlechtsverkehr oder zur Entbindung wieder aufgeschnitten werden muss. Unter anderem werden die Beine der Mädchen von der Hüfte bis zu den Knöcheln für bis zu 40 Tage zusammengebunden, um eine Heilung der Wunde zu ermöglichen.

Meist finden die Eingriffe unter unhygienischen Bedingungen und ohne Narkose statt. Wegen der starken Schmerzen müssen mehrere Erwachsene die Mädchen halten. Als Werkzeuge halten Messer, Scheren, Rasierklingen oder Glasscherben her. Nicht selten werden mehrere Mädchen mit demselben Gerät beschnitten. »Das sei eben am billigsten gewesen«, wie ein afrikanischer UN-Vertreter nach der Abstimmung kleinlaut eingestand.

Durch die Beschneidung sollen die Mädchen lernen, Schmerzen zu ertragen, ihren Körper zu kontrollieren, als Erwachsene anerkannt und durch Beruhigung sexueller Bedürfnisse Untreue verhindert werden. Die Genitalverstümmelung galt bisher, besonders bei wirtschaftlicher Abhängigkeit oder Not, als Voraussetzung für eine Heirat.

Aufklärung und Drohkulisse zum präventiven Schutz

Die Bedeutung des Vorgangs hatte, bedingt durch zahlreiche Aufklärungskampagnen und einem allgemein zunehmenden Bildungsgrad, zuletzt stark nachgelassen. Dennoch wurde das Ritual in einigen Ländern, in denen die weibliche Genitalverstümmelung zwar offiziell verboten war, von den Behörden geduldet.

Der UN-Beschluss sieht auch eine drastische Verschärfung der Strafen für Täter sowie Staaten vor, die der Folter künftig nicht rigoros begegnen. Das unterlassene Vorgehen soll mindestens mit Sanktionen geahndet werden. »Wir werden auch keine Sekunde zögern, unsere zu allem entschlossenen Blauhelme zum Schutz der Mädchen in die Schlacht zu schicken. Mit Schlachtfeldern kenne ich mich schließlich ein bisschen aus«, gab sich die Direktorin des UN-Kinderhilfswerks, Henrietta Fore, die unter anderem für das US-Außenministerium oder den verkappten US-Geheimdienst »United States Agency for International Development«, USAID, tätig war, einsatzbereit.

Volljährigen Frauen soll es in Zukunft allerdings weiterhin frei stehen, auf eigenen Wunsch eine operative Beschneidung vornehmen zu lassen. Als die Feministin Schwarzer später von diesem Zusatz erfuhr, löschte sie umgehend ihre ins Netz gevögelte Mitteilung. Dafür war es allerdings schon zu spät. Zahlreiche »Vöglein-Voyeure« von Schwarzer hatten die Meldung bereits verbreitet.

Mit dem UN-Verbot wurde das grausame Ritual erst spät, Aufzeichnungen über die Beschneidung von Mädchen reichen bis in die Epoche des antiken Ägyptens zurück, in das Gruselkabinett der Foltermethoden verbannt.