Neue Häuser für Vielfältigkeit

Gebetsstätten müssen keine Symbole der Abgrenzung gegenüber Menschen anderer Glaubensrichtungen sein, wie ein universeller Ansatz beweist.

Man nennt sie Gesellschafts- oder auch Glaubenshäuser und ihre Beliebtheit nimmt ständig zu, nicht nur in Metropolen, auch auf dem Land, nicht nur irgendwo, sondern überall, wie der internationale Dachverband der »Gemeinschaft für ein friedliches Miteinander der Kulturen« in seinem aktuellen Jahresbericht stolz verkündet.

Dächer für alle und alles

Gebaut wurden die ersten Häuser, um Menschen verschiedener Kulturen und Religionen unter einem Dach zu vereinen. Dabei war es mit der Akzeptanz zu Beginn gar nicht so leicht, wie Ali Aleguilany verrät. Der Franzose ist Vorsitzender der europäischen Abteilung des Vereins mit Sitz in Paris. Die Einrichtungen wären anfangs vor allem in konservativen und erzreligiösen Kreisen auf Widerstand gestoßen und hätten für rote Köpfe gesorgt. Bei jungen Leuten, Liberalen oder auch Atheisten kamen die Häuser dagegen gut an und sollen zum Ärger von so manchem Vorbeter hier und dort schon nach wenigen Jahren besser besucht gewesen sein, als die eine oder andere Kirche, Moschee oder Synagoge so Aleguilany.

Mittlerweile haben sich die Einrichtungen aber durchgesetzt, fördern das Gemeinschaftsbewusstsein, den Dialog oder sind Orte zum Gebet für Anhänger unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Weltanschauungen, wie es im Jahresbericht des Dachverbandes noch heißt. Auch Aleguilany bestätigt, dass sich die Gemüter beruhigt haben. Eigentlich, so sagt er grinsend, kommen die – gemeint sind die Priester, Imame, Rabbis oder Mönche – doch auch viel lieber zu uns, wegen der Stimmung und so.

Frei, auch von Symbolik

In den Häusern wird niemand ausgegrenzt, weshalb man übrigens auch vergebens nach religiösen Symbolen in und an den Hauswänden oder auf den Dächern sucht. Hier sollen alle willkommen sein, mit oder ohne Konfession, hell oder dunkel, jung oder alt. So steht es auch am Eingang der Einrichtungen geschrieben. Vorausgesetzt werden nur Friedfertigkeit und Respekt gegenüber Andersdenkenden. Wer sich nicht an den simplen Grundsatz hält, wird höflich darum gebeten, sich wieder vor die Türe zu begeben, erklärt Aleguilany.

Mittelpunkt der Häuser ist ein großer Saal. Dort finden meist Messen und Zeremonien einzelner Konfessionen oder glaubensübergreifende Veranstaltungen, Feiern und Hochzeiten statt. Die Räume werden aber auch für Aktivitäten oder als Treffpunkt genutzt. Besonders erfreulich ist für den Dachverband auch, dies wird extra erwähnt, dass alltägliche Dinge und Anliegen der Gemeinden in den Häusern geklärt werden.

Die neuen Kulturzentren

So haben sich die Einrichtungen in vielen Stadtteilen und Gemeinden längst zu einer Art kommunalen Mittelpunkt und Kulturzentrum entwickelt und verdrängen religiöse Kultstätten aus dem Alltag. Zahlreiche Gotteshäuser wurden aus Mangel an Bedarf bereits auch schon in sogenannte Gesellschaftshäuser, Museen, Schulen oder Notunterkünfte umfunktioniert wurden. »Heute verlegen einige Religionsgelehrte sogar ihre Messen in die Gemeinschaftshäuser«, verrät Aleguilany dann noch über den Erfolg des interkulturellen Ansatzes.

Und einen weitern positiven Effekt hat die Beleibtheit der Häuser, wie der Verband in seinem Bericht mitteilt: Die Zahl religiös motivierter Konflikte und Streitigkeiten hat nach einer aktuellen Studie europaweit deutlich abgenommen.

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