Mehr Mitsprache statt Börse bei den Nachrichten

Nach Protestaktionen einer Bürgerinitiative werden Börsenberichte aus den Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen genommen. Stattdessen soll besser aufgeklärt und mitgesprochen werden. [Wörter: 523]


 
 
Nach Protestaktionen einer Bürgerinitiative werden Börsenberichte aus den Nachrichtensendungen der Öffentlich-Rechtlichen genommen. Stattdessen soll besser aufgeklärt und mitgesprochen werden.
Mit einer deutschlandweit angelegten Petition forderten weit über eine Million Gebührenzahler, dass die Börsenberichterstattung künftig wesentlichen Informationen in den Nachrichten weichen und bei der Themenauswahl grundsätzlich mehr gesellschaftliche Mitsprache gewährleistet werden soll. Vor mehreren Landesrundfunkanstalten kam es zu Protesten. Zudem riefen die Initiatoren über das Internet dazu auf, Gebührenzahlungen zu boykottieren, sollten die geforderten Anliegen nicht umgesetzt werden. Wie gestern bekannt wurde, erklärten sich die Verantwortlichen der Öffentlich-Rechtlichen wegen des immer stärker gewordenen öffentlichen Drucks nun dazu bereit, ihr Programm entsprechend abzuändern.
Zum Wohl kleiner Gruppen
Die regelmäßigen Börsenberichte würden einem »von der Öffentlichkeit zwangsweise finanzierten, aber keineswegs legitimierten und permanenten Werbeblocks der Finanzindustrie« entsprechen und wären in dieser Form Indoktrination. Aufgabe der Nachrichten sei es aber, die wichtigsten täglichen Meldungen auszuwählen. »Die Nachrichtengebung muss allgemein, unabhängig und objektiv sein«, wie die Organisatoren der Bürgerinitiative aus den Rundfunkgesetzen und –staatsverträgen zitierten.
Die tägliche Wiedergabe von Börsendaten zähle für den überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht zu den wichtigsten Ereignissen. Außerdem würden durch die gezielte Auswahl bestimmter Ereignisse sowie der Unterdrückung anderer Geschehnisse Stimmungen erzeugt, womit letztlich die Interessen kleiner und einflussreicher Gruppen berücksichtigt und gefördert würden, wie es heißt.
Als weitere Beispiele für die Missachtung der Programmrichtlinien nannten die Initiatoren auch ein deutliches Versagen bei der Aufarbeitung und Erklärung der letzten Finanzkrise sowie eine voreingenommene Berichterstattung zu jüngsten globalen Krisen und Konflikten in den bekanntesten deutschen Nachrichtenformaten der Öffentlich-Rechtlichen. Dabei wurde auch auf zahlreiche Programmbeschwerden der letzten Jahre verwiesen. Ursächlich hierfür wäre besonders die Verflechtung führender Medienvertreter und Politiker in diversen transatlantischen Netzwerken.
Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts waren letztes Jahr lediglich 13 Prozent der deutschen Bevölkerung am Aktienmarkt engagiert. Die Zahl der Aktienbesitzer betrug sogar nur etwas über 6 Prozent, Tendenz weiter abnehmend.
Aufklärung gegen Ablenkung
Konkret forderten die Initiatoren, dass Börsenberichte durch kritisch aufbereitete Informationen, etwa mit Zahlen zu den von Armut, Kriegen und Katastrophen bedrohten Menschen oder dem allgemeinen Zustand der Umwelt, auf lokaler und globaler Ebene sowie der Ursachen dafür genannt und thematisiert werden. Die Welt könne man nicht in wenigen Minuten erklären, weshalb man für die Nachrichtensendungen auch mehr Zeit einplanen solle.
Anstatt Lottozahlen wiederzugeben, Belanglosigkeiten zu verbreiten oder Sport- und sonstige Unterhaltungsveranstaltungen zu dramatisieren und zu überhöhen, wäre in den Nachrichten vielmehr auf »Hintergründe, Zusammenhänge und Widersprüche über Ereignisse von tatsächlicher Bedeutung einzugehen«, wie der Petition weiter zu entnehmen ist.
Mehr Mitsprache
Die Themenwahl der Nachrichten dürfe künftig auch nicht mehr nur einer Handvoll Personen unterliegen, sondern müsse unter Einbezug des Publikums entschieden und kontrolliert werden. Hierzu sei etwa eine regelmäßig rotierende Publikumskonferenz festzulegen und strukturell, etwa in die Programmplanung zu integrieren sowie mit entsprechenden Befugnissen auszustatten. Auch die Möglichkeiten des Internets könnten für mehr Transparenz und kurzfristige Mitsprache der Bürger bei der Gestaltung und Auswahl von Programminhalten beitragen. So wäre eine Art Forum zum Einbringen und Abstimmen von Themen und Ereignissen möglich.
Inzwischen erlangte die Initiative für mehr Unabhängigkeit und Objektivität in staatlichen Medien über soziale Netzwerke internationale Aufmerksamkeit und in einigen Ländern, etwa in Frankreich oder Großbritannien auch schon Nachahmer.
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