Häuser der Vielfältigkeit

Gebetsstätten müssen nicht zwangsläufig Orte der Ausgrenzung sein, wie ein glaubensübergreifender und populärer Ansatz zeigt.

Man nennt sie schlicht Gesellschafts- oder auch Glaubenshäuser. Und der Zulauf ist ungebremst, nicht nur in den Metropolen auch auf dem Land, wie der Dachverband für die internationale Gemeinschaft für ein friedliches Miteinander der Kulturen e.V. in seinem aktuellen Jahresbericht stolz verkündet.

Ein Dach für alle

Gebaut wurden die ersten Häuser, um Menschen verschiedener Kulturen und Religionen unter einem Dach zu vereinen. Dabei war es mit der Akzeptanz anfangs nicht so leicht, wie der Vorsitzende der europäischen Abteilung des Vereins verrät. So stießen die Einrichtungen meist in konservativen Kreisen auf Unbehagen und Widerstand. Doch das hätte sich rasch geändert. Die Häuser kamen besonders bei jungen Leuten, liberalen Gläubigen oder auch Atheisten gut an, was der raschen Bekanntmachung der Idee half. So sollen Gesellschaftshäuser zum Ärger vieler Religionsvertreter schon nach wenigen Jahren besser besucht gewesen sein, als die eine oder andere Kirche oder Moschee in der Gemeinde.

Mittlerweile sind die Einrichtungen allgemein etabliert, fördern ein Gemeinschaftsbewusstsein, den Dialog und die Freundschaft und sind Orte zum Gebet für Anhänger unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Weltanschauungen, wie es im Jahresbericht des Dachverbandes heißt.

Frei von Symbolik

In den Häusern wird niemand ausgegrenzt, weshalb man vergebens nach religiösen oder sonstigen Symbolen in und an den Gebäuden sucht. Hier sollen alle willkommen sein, mit oder ohne Konfession, hell oder dunkel, jung oder alt. Vorausgesetzt werden bloß Friedfertigkeit und Respekt gegenüber Andersdenkenden. Ein entsprechender Hinweis ist am Eingang der meisten Einrichtungen zu finden. Wer sich an den einfachen Grundsatz nicht hält, wird höflich nach draußen gebeten, so der Vereinsvorsitzende für Europa.

Das Herz der Häuser ist in der Regel ein größerer Saal. Dort finden meistens Messen und Zeremonien der einzelnen Konfessionen oder glaubensübergreifende Veranstaltungen und Feiern, wie etwa Hochzeiten statt. Es können aber auch Räume für Aktivitäten oder als Treffpunkte reserviert und genutzt werden. Besonders erfreulich ist für den weltweiten Dachverband auch, dass mittlerweile alltägliche Dinge und Anliegen der Gemeinden zunehmend in den Gesellschaftshäusern geklärt werden.

Die neuen Kulturzentren

So haben sich die Einrichtungen in vielen Stadtteilen und Gemeinden zu einer Art kommunalen Mittelpunkt und Kulturzentrum entwickelt. Dabei machen sie religiöse Kultstätten im Alltag überflüssig, weshalb zahlreiche Kirchen, Moscheen, Synagogen oder Tempel aus Mangel an Bedarf bereits in Gesellschaftshäuser, Museen, Schulen oder Notunterkünfte umfunktioniert wurden. Zwar würde das die jeweiligen Religionsgemeinden stören, man wäre in den ersten Jahren auch entsprechenden Anfeindungen und Kampagnen ausgesetzt gewesen, aber das hätte sich gelegt. Heute würden Religionsgelehrte vielerorts sogar ihre Messen in die Gemeinschaftshäuser verlegen, was man im Verein als einen Sieg der Vernunft verbucht.

Und noch einen positiven Effekt hat die Beleibtheit der Häuser, wie im Jahresbericht mit Verweis auf eine UN-Studie zu lesen ist: Die Zahl religiös motivierter Konflikte und Streitigkeiten hat in den letzten Jahren global konstant abgenommen.

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