FIFA beendet Summenwahn im Fußball

Der Weltfußballverband hat eine weltweite Obergrenze für Gehälter und Transfersummen beschlossen. Auslöser war der Transfer eines 25 Jahre alten Brasilianers.

Was zu viel ist, ist zu viel. So oder so ähnlich müssen es wohl die Funktionäre des als gemeinnützig eingestuften Vereins »Fédération Internationale de Football Association«, der FIFA, empfunden haben, als publik wurde, dass ein gänzlich frei von Moral handelnder katarischer Klubbesitzer 222 Millionen Euro für einen jungen Spieler namens Neymar hinblätterte.

Einfach unterschreiben

Und da Geld bei diesem Vorhaben keine Rolle zu spielen schien, gönnte man dem jungen Brasilianer – der besitzt in seinem zarten Alter unter anderem schon eine Luxusjacht im Wert von 8 Millionen Dollar, zahlreiche Luxuskarossen oder Diamantohrringe – auch noch ein Gehalt von 100.000 Euro plus Prämien. Aber nicht pro Jahr, sondern am Tag. Diese Verhältnisse waren für die obersten FIFA-Funktionäre, ob aus Missgunst, Wut oder spät einsetzendem Gerechtigkeitsempfinden, offensichtlich nicht mehr hinnehmbar. Der Verband beschloss die Einführung einer Obergrenze für Transfers und Gehälter von Spielern und Trainern.

Kritik kam unter anderem von Franz Beckenbauer. »Ich habe immer alles einfach unterschrieben«, denn »der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser«, so Beckenbauer in einem Interview mit dem Magazin »schön blöd aber reich und kugelrund«.

Wie die FIFA mitteilte, soll bereits ab nächster Saison eine Budgetbeschränkung in allen sechs Kontinentalverbänden des Weltfußballverbandes, für Europa ist dies die UEFA, in Kraft treten. Die Grenze wird in den kommenden Jahren dann stufenweise gesenkt, um moderate und angemessene Beträge, in etwa auf dem Niveau der 1990er-Jahre, zu erreichen. Bestehende Verträge mit Spielern und Trainern wären dann entsprechend abzuändern.

Geht’s um Tore oder Werte?

Sollten Klubs gegen die Vorgabe verstoßen, würden sie künftig von internationalen Vereinswettbewerben ausgeschlossen. Auch für Landesverbände wurde eine Obergrenze für Preisgelder beschlossen. Wer an großen Turnieren, wie bei Welt- oder Europameisterschaften, wegen des Gelds oder zur Steigerung des Marktwerts teilnehme, »der hätte da etwas nicht ganz verstanden und solle doch besser vom Rasen auf das Börsenparkett wechseln«, wie ein ranghoher FIFA-Vertreter, der anonym bleiben möchte, die Entscheidung kommentierte.

Auch Uli Hoeneß, Ex-Häftling, Wurstfabrikant und Manager des FC Bayern München, konnte der FIFA-Entscheidung etwas abgewinnen. Zwar meinte Hoeneß, dass man sich doch um wichtigere Dinge wie Steuerfreiheit auf sämtliche Spekulationsgewinne kümmern solle, aber das falle ja nicht in den Aufgabenbereich der FIFA. Letztlich, so Hoeneß »leben wir wie im Paradies« und er hätte ja schon bewiesen, dass er »ein Bessermacher« sei. »Dann kann sich der Boateng halt kein Haus mehr für seine 650 Paar Schuhe leisten und der Ribéry muss in Zukunft eben auf vergoldete Steaks verzichten«, so Hoeneß, der sowieso nicht versteht, was der Franzose am Verzehr von totem Fleisch toll findet.

Mit dem Schritt möchte die FIFA innerhalb des Fußballsports wieder für mehr finanzielle Gerechtigkeit unter den Klubs sorgen und den Einfluss von Staaten, Konzernen und vermögenden Einzelpersonen, die das Spiel zur Vermarktung ihrer Produkte, wegen persönlicher Liebhaberei oder aus sonstigen Gründen für sich entdeckt haben, deutlich reduzieren. Außerdem soll eine soziale Bindung der Fans zum Sport hergestellt werden.

Brot und Spiele

Kritiker der Kommerzialisierung von Sport und Kultur äußerten schon seit Jahren Bedenken über die im modernen Sport bezahlten Beträge. Der Sport sei zu einer albernen Showveranstaltung verkommen wobei die Summen nichts weiter als Hohn und Spott, eben ein Zeichen der Verachtung für hart und ehrlich arbeitende Massen sei. Es wäre zwar paradox, dass auch oder gerade jene Gruppen diese Parallelwelt mittragen würden, doch liegt dem eine wohldurchdachte Öffentlichkeitsarbeit zugrunde, um eine unersättliche Gier nach Formen von Falschidentitäten, die mit der eigenen Lebenswelt nichts zu tun hätten, durch belanglose Unterhaltung und vermeintliche Stars zu fördern. Damit würde man die Identität der Menschen letztlich bloß aufbrechen und sie ablenken.

Etwas anders sieht Christiano Ronaldo den FIFA-Beschluss. Der ließ seine Fans über den beliebten Kurznachrichtendienst Vöglein wissen: »Mir kann trotzdem keiner verbieten, wie ich mich beim Freistoß hinstelle und den Längsten [Anm.: vermutlich Anlauf] habe ich dabei auch. Außerdem bleiben meine Trikotpreise für euch stabil.«

Unterstützung und Verständnis

Mehrere nationale Verbände erklärten bereits, die FIFA-Regelung zu übernehmen und Verstöße mit Punktabzügen, bis hin zum Lizenzentzug zu ahnden. Auch die Politik reagierte überwiegend positiv auf die Entscheidung des gemeinnützigen Fußballverbands mit Sitz in der Schweiz. So kündigten Vertreter der Europäischen Union an, entsprechende Gesetzesvorhaben für Europa und über den Sport hinaus zu planen.

Eine gerechte und solidarische Gesellschaft dürfe diese Entwicklung nicht weiter hinnehmen, ob im Sport, der Wirtschaft oder in anderen Bereichen, kommentierten etwa Vertreter diverser Sozialverbände die Entscheidung der internationalen Fußballorganisation mit Verweis auf die wachsende globale Ungleichverteilung von Vermögen. Letztlich, so der Tenor bei Politikern und Fans, sei dieser Schritt längst überfällig gewesen. Maßnahmen der FIFA gegen nicht mehr nachzuvollziehende Gehaltsentwicklungen im Fußball wurden seit Jahren auch von Vertretern zahlreicher Traditions- und Amateurvereine sowie diverser Fanklubs gefordert.

Beckenbauer kommentierte den FIFA-Beschluss mit »Ja, wo samma denn» und trat aus Protest gegen die Entscheidung mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern bei der FIFA zurück. Nach einer Katar-Reise machte Beckenbauer seinen Rücktritt kurze Zeit später aber wieder rückgängig. Seine Reaktion wäre überstürzt gewesen. »Ich habe noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen, also die laufen alle frei rum, weder in Ketten gefesselt und auch mit irgendwelcher Büßerkappe am Kopf, also das habe ich noch nicht gesehen. Also, wo diese Meldungen herkommen, ich weiß es nicht. Also, ich habe mir vom arabischen Raum ein anderes Bild gemacht und ich glaube, mein Bild ist realistischer«, so die Begründung von Beckenbauer für seinen Rücktritt vom Rücktritt.