Als das Volk die Erde beben ließ

Hinweis: Es handelt sich hierbei bedauerlicherweise noch um eine echte Falschmeldung!

Die zunehmende Ungleichverteilung von Vermögen war Regierenden längst bekannt, den meisten Menschen auch. Es kam zur ersten globalen Revolution. Ein Rückblick. … (Wörter: 594)

Die zunehmende Ungleichverteilung von Vermögen war Regierenden längst bekannt, den meisten Menschen auch. Es kam zur ersten globalen Revolution. Ein Rückblick.
Es sind rund vier Wochen vergangen, als binnen weniger Tage mehrere Studien zur weltweiten Ungleichheit veröffentlicht wurden. Die Untersuchungen bestätigten alle, dass die Besitztümer der zehn reichsten Menschen jene der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung, von rund 3,7 Milliarden Menschen, übersteigen. Und das reichste Prozent besitzt mehr als die restlichen 99 Prozent. So soll etwa der reichste Mann in Vietnam an nur einem Tag mehr einnehmen, als die Ärmsten des Landes in zehn Jahren. Während die Einkommen der unteren zehn Prozent in den letzten Jahrzehnten um nicht einmal drei Dollar stieg und real stagnierte, vervielfachte das reichste Prozent sein Einkommen um mehr als das 180-Fache.
Neuer Feudalismus
In den Studien wurde darauf hingewiesen, dass die extremen Vermögensdifferenzen kein Problem des Südens ist, da die Ungleichheit in fast allen Industriestaaten ebenfalls erheblich sei. Es liege am System. Die Politik hätte längst vor der Wirtschaft kapituliert.
Von Demokratie und einem sozialen Markt könne keine Rede mehr sein. Vielmehr belegten die Zahlen feudale Verhältnisse. Während Staaten Geld für Bildung und Gesundheitsversorgung fehlt, würden sich Supereiche und Konzerne Regierende gefügig machen und wie Parasiten, etwa durch Steuertricksereien, auf Kosten der Völker leben, Staaten gegeneinander ausspielen oder von moderner Sklaverei profitieren. Dabei forderte eine Mehrzahl der Autoren einen Systemwechsel.
Auch Gewerkschaften, Sozialverbände, Globalisierungs- oder Kapitalismuskritiker und linke Medien riefen rund um den Globus zu Protesten und zivilem Ungehorsam auf.
Quelle aller Revolutionen
Schon Aristoteles wusste, dass die Ungleichheit die Quelle aller Revolutionen ist und durch nichts erträglich gemacht werden kann. Es war ein Punkt erreicht, der die Massen in Bewegung setzte.
Quer über die Kontinente gingen Menschen auf die Straßen und stellten den arabischen Frühling oder die Blockupy-Bewegung bald in den Schatten. Es roch nach Französischer Revolution, in modern und global. In zahlreichen Metropolen bildeten sich Protestcamps. Bewohner von Slums trugen ihren Frust in Stadtzentren und Villenviertel. Arbeiter stürmten Fabriken. In Gettos und Reservaten brachen Unruhen aus. Es kam zu Plünderungswellen und mächtige Flüchtlingsströme machten sich auf den Weg. Nur war dieses Mal das Treffen der Gruppe der Zwanzig (G20) das Ziel.
Nicht rechts gegen links, sondern unten gegen oben
Die Botschaft nach mehr Gerechtigkeit und Demokratie ertönte in Gassen, auf Plätzen und in den Parlamenten. Sicherheitsbehörden waren vielerorts machtlos oder solidarisierten sich mit der Bewegung. Es schien bis zuletzt, als vereinten sich Slums von Rio-Rocinha, Mumbai-Dharavi bis nach Nairobi-Kibera. Die Menschen wehrten sich gegen ein Zukunftsbild von George Orwell, indem ein Stiefel unaufhörlich auf ein Gesicht tritt. Und der vergangene G20-Gipfel hatte das Potenzial einen globalen Bürgerkrieg zwischen Arm und Reich auszulösen.
Von den Massen derart belagert, wurde die Agenda des Treffens dann Anfang vergangener Woche abgeändert. Außerdem wurden Vertreter der Bewegung zu den Verhandlungen hinzugezogen.
David ist Goliath
Wie mittlerweile bekannt, erklärten sich die Regierungsvertreter der führenden Industrie- und Schwellenländer zu sofortigen Maßnahmen sowie der Ausarbeitung einer demokratischen Weltgesetzgebung unter Führung der Vereinten Nationen (UN) bereit. Auch einigte man sich zu diesem Zweck auf eine Reform der UNO.
In einem ersten Maßnahmenkatalog wurden weltweit verbindliche Vermögensobergrenzen für Privatpersonen, faire Mindestlöhne und Mindeststeuersätze für Konzerne, eine Obergrenze für Rüstungsausgaben, ein Verbot von Luft- und Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln, eine Geldreform sowie die Stärkung von Bürgerrechten und direkter Demokratie beschlossen.
Die damit eingenommenen Gelder wären zur sofortigen Armutsbeseitigung, etwa für sozialen Wohnungsbau in Slums, die Gesundheits- und Grundversorgung, Bildungseinrichtungen oder die Förderung von Mitarbeiterunternehmen einzusetzen, wobei die Maßnahmen von der UN zu überwachen wären. Der von vielen geforderte Systemwechsel ist damit eingeleitet.
Danke, dass Sie diesen Auszug aus dem kostenpflichtigen Beitrag gelesen haben. Sie können den vollständigen Beitrag lesen, nachdem Sie ihn gekauft haben.
Jetzt lesen, später zahlen

Diesen Artikel
Als das Volk die Erde beben ließ
0,30
EUR
Powered by